UNSERE AUSWAHL|11 MIN. LESEZEIT
Die Geschichte, wie MORYARTY entstand
Wir sahen uns schon lange gern alte Bilder an, bevor wir daran dachten, sie zu verkaufen. Dann veränderte ein einziger Tag, was aus dieser Begeisterung entstehen konnte.
TEXT MORYARTY

Wir hatten nie vor, Poster zu verkaufen. Wir sammelten alte Bilder, weil wir sie gern an unseren Wänden sahen. Daraus entstand MORYARTY, lange bevor wir an ein Geschäft dachten.
Hier beginnt die Geschichte von MORYARTY. Vielleicht hängt auch bei Ihnen ein Bild, das Sie einfach behalten, weil Sie es gern ansehen. Genau so fing unsere Geschichte an.
Wir sammelten Bilder, die wir um uns haben wollten
Schon in unserer Jugend sammelten wir Vintage-Bilder, Poster und Fotografien, einfach um unser Zimmer zu schmücken. Als wir eine eigene Wohnung hatten, behielten wir die Gewohnheit bei. Wir wollten keine Sammlung aufbauen. Wir richteten die Räume, in denen wir lebten, einfach so ein, wie es uns gefiel.
Auch alte Schallplatten kamen aus demselben Grund dazu. Ihre Hüllen zeigten Motive, die wir uns gern ansahen. Manche verdienten ebenso einen Platz an der Wand wie ein Poster. Unsere Sammelleidenschaft galt nie nur Postern.

Auf Reisen ins Ausland kauften wir Bilder als Erinnerung an die Orte, die wir besucht hatten. Zu Hause an der Wand ließen sie diese Reisen wieder aufleben.
Später suchten wir auch auf Internetauktionen und erweiterten unsere Suche über die Städte hinaus, die wir selbst besuchen konnten. Danach kamen Märkte und Antiquitätenmessen: Wir fuhren hin, um nach weiteren Postern zu suchen. Dass sich ausgerechnet auf einem Markt alles ändern würde, konnten wir nicht ahnen.
Als zum ersten Mal die Idee aufkam, daraus ein Geschäft zu machen, umfasste unsere Sammlung fast hundert Stücke aus aller Welt: Postkarten, Poster, alte Anzeigen und Plattencover.
Unsere Posterauswahl
- Die Anzeige von Charles Goy aus dem Jahr 1928 mit blauen Vögeln zeigt einen Schwarm, dessen wiederholte Formen auf dem Blatt fast ein Stoffmuster bilden. Dieses Poster würden wir uns selbst gern an die Wand hängen.
- Das Poster mit Löfflern von Adriaan van Hoff aus dem Jahr 1923 zeigt die Vögel in kräftigen Schwarz-Weiß-Formen und verzichtet auf alles Überflüssige. Es ist schlicht genug, um an jeder Wand für sich allein zu wirken.
- Ein Model, das am Rand eines Boots in Montego Bay balanciert, hat Toni Frissell fotografiert. Das ruhige Schwarz-Weiß erinnert an Fotografien aus der Mitte des 20. Jahrhunderts; das Bild wirkt wie eine Reiseerinnerung, die man gern an der Wand behält.
Wir suchten eine Adresse auf, die wir in Berlin fanden
Alles veränderte sich an einem Tag im Jahr 2017 auf einem Markt in Berlin. Zwischen den Ständen fanden wir ein altes Bild. Auf seiner Rückseite hatte jemand einen Namen und eine Adresse notiert. Die Adresse lag in derselben Stadt, in der wir gerade waren. Wir wussten nicht, was uns dort erwartete. Wir wussten nur, dass das Bild alt war, die Handschrift von einer unbekannten Person stammte und die Adresse ganz in der Nähe lag.
Also gingen wir hin. Wir fanden die Straße, das Haus und den Namen auf dem Namensschild der Gegensprechanlage. Wir klingelten, und die Stimme eines Mannes antwortete. Wir versuchten, so gut es ging, ihm zu erklären, dass wir seine Adresse auf der Rückseite eines alten Bildes gefunden hatten und Poster suchten. Dann warteten wir und wussten nicht, was als Nächstes passieren würde.
Der Mann öffnete die Tür und ließ uns herein. Er bot uns etwas zu trinken an. Dann sahen wir seine Wohnung: Überall waren alte Poster, Anzeigen und Zeitungen. Er lebte allein. Er erzählte uns, dass er sein ganzes Leben lang auf Märkten gearbeitet hatte, bis sein Alter das unmöglich machte.
Wir unterhielten uns mehr als zwei Stunden, bevor er uns die eigentliche Sammlung zeigte. Siebenhundert Vintage-Bilder aller Art, die er im Laufe seines Arbeitslebens auf Märkten zusammengetragen hatte. Wir beschlossen, alle zu kaufen. Dieser Besuch machte aus einem Hobby die Idee für ein Geschäft. Für uns ist er bis heute der eigentliche Anfang von MORYARTY.

Fern von zu Hause standen in unserem Berliner Hotelzimmer Kisten voller Poster. Wir packten sie in mehrere Pakete und schickten sie voraus. Wir hofften, die Bilder würden unbeschädigt ankommen, und ehrlich gesagt auch, dass wir vor den Paketen wieder zu Hause wären.
Unsere Posterauswahl
- Eine Anzeige für Cordial Campari aus dem Jahr 1926 zeigt eine Frau in gelassener Pose, gestaltet in flächigem Rot und Schwarz. Sie macht deutlich, wie kühn eine alte Werbeanzeige sein konnte.
- Ein Fahrradposter für „Achtung Möve“ von 1902 zeigt einen Fahrer in einem hellgelben Anzug mit gestreifter Mütze. Statt ein Rennen zu fahren, wirft er sich stolz in Pose.
- Ein Plan der Pariser Métro von 1912 ist eine dieser Karten, in die man sich zehn Minuten lang vertiefen kann, wie beim Stöbern in einem guten Laden.
Wir bauten die Website, bevor das Projekt einen Namen hatte
Zurück in Barcelona begann die Arbeit mit Scannern. Wir scannten die Bilder einzeln ein und restaurierten jedes von Hand. Dann kauften wir gebrauchte professionelle Drucker und stellten die ersten Drucke auf eine sehr einfache Website.
Unser allererstes Poster zeigte den Mond und gehört bis heute zu unseren Favoriten. Alles andere war neu für uns. Von Onlinehandel, Werbung im Internet und Versand wussten wir so gut wie nichts.

Dem Projekt fehlten weiterhin ein Name und eine eigene Domain. Wir gingen eine lange Liste möglicher Namen durch und prüften, für welche noch Domains frei waren. Unter .com war fast alles Gute vergeben, und die verfügbaren Namen überzeugten uns nicht.
Dann lagen wir gegen vier Uhr morgens wach im Bett, gingen im Kopf Namen durch, und plötzlich war er da: MORYARTY. Kurz, einprägsam und mit einem eigenen Charakter. Laut ausgesprochen erinnert der Name an die englischen Wendungen „More Art“ und „More Arty“. Dazu fiel uns der Slogan „MORYARTY, Art and More“ ein.
Wir waren große Fans der Sherlock-Holmes-Geschichten, in denen Moriarty der Bösewicht ist. Dieser Anklang an die Geschichten, die wir liebten, gefiel uns noch mehr. Dann prüften wir die Domains. Die .com-Domain und sämtliche europäischen Domains waren frei, jede einzelne. Das fühlte sich wie ein Zeichen an. Wir kauften sie noch in derselben Nacht, um vier Uhr morgens. MORYARTY war geboren.
Unsere Posterauswahl
- Eine 1829 nach einem Gipsmodell gezeichnete Hand ist eine stille Studie. Ihre feinen Schattierungen verlangen sorgfältiges Scannen und Restaurieren von Hand, damit sie erhalten bleiben.
- Das tiefblaue Poster mit einem Blauen Pfau von Will Bradley aus dem Jahr 1895 warb selbst für Poster. Die Jugendstil-Schrift ist Teil der schwungvollen Gestaltung.
Aus einem Teil einer Lagerhalle wurde unser erster Laden
Über die Website verkauften wir ehrlich gesagt fast nichts, und sie entsprach nicht der Vorstellung, die wir hatten. Wir wünschten uns einen Ort voller Poster vom Boden bis zur Decke, mit Hunderten von gedruckten Zeichnungen in verschiedenen Größen zum Durchstöbern und Rahmen zum Ansehen und Anfassen. Die Menschen sollten hereinkommen, das Papier fühlen, Drucke vergleichen und in Ruhe das passende Bild für ihr Zuhause finden. Für uns musste ein Laden das Erlebnis auf Märkten und in Antiquitätengeschäften wiederaufleben lassen. Eine Website allein konnte das nicht.
Dazu kam ein praktischer Grund: Angesichts der vielen schlechten Bewertungen von Websites, die billige Poster verkaufen, möchten die Menschen den Druck sehen und das Papier fühlen, bevor sie sich entscheiden. Im Laden halten sie das Poster schon vorher in der Hand. Und ein Laden bietet, was auch ein guter Plattenladen bietet: Zeit zum Stöbern, Aussuchen und Genießen.
Wir hatten bereits eine alte Lagerhalle in Barcelona als Lager- und Logistikstandort für ein völlig anderes Projekt gemietet. Also teilten wir die Fläche auf, renovierten einen Teil und eröffneten darin einen Laden. Das war der schnellste, einfachste und risikoärmste Weg, die Idee wirklich auszuprobieren. So konnten wir rasch herausfinden, ob auch andere wollten, was wir uns wünschten.
Nach einigen Monaten des Druckens, Streichens und Vorbereitens eröffnete 2018 in Poblenou der erste MORYARTY-Laden. Zwei Wände, jeweils zehn mal fünf Meter groß, voller Poster. Hundert Quadratmeter für Vintage-Wandkunst.

Es war wunderbar zu sehen, wie die ersten Menschen hereinkamen und sich Zeit für die Poster nahmen. Sie blieben, und ihre Rückmeldungen waren überwältigend. Dann kamen die ersten Verkäufe, und es wurden immer mehr. Dieses Wachstum war unser eigentlicher Antrieb, weiterzumachen.
Bis heute führen wir unsere Läden so, wie wir den ersten eröffnet haben. Wir kümmern uns um die Playlist, das Licht und den Duft und bedrängen niemanden. Die Leute stöbern wie in einer Bibliothek; manche verbringen mehr als eine Stunde zwischen den Postern.
Unsere Posterauswahl
- Ein Poster für den Münchner Zoo aus dem Jahr 1912 mit zwei Leoparden von Ludwig Hohlwein fällt schon von der anderen Seite des Raums ins Auge.
- Ein Plakat mit Bananen aus Jamaika von 1920, dessen Künstler unbekannt ist, ist eine leuchtende alte Werbeanzeige, bei der man beim Stöbern stehen bleibt.
Wir restaurieren und drucken jedes Poster selbst
Nach den ersten Verkäufen arbeiteten wir Tag und Nacht daran, den Katalog auf mehr als zweitausend Poster zu erweitern und die Website zu verbessern. Dann kamen weitere Läden hinzu. Auf Poblenou folgten El Born, Chiado, LX Factory und Trindade. Schließlich gab es in zwei Städten MORYARTY-Läden zum Stöbern.
Heute gibt es fünf Läden in Barcelona und Lissabon, und das Onlinegeschäft wächst mit ihnen. Die Umsätze steigen Monat für Monat. Jeden Tag schreiben uns Menschen, wie sehr sie sich über ihre Poster freuen. Wir halten die Preise bewusst erschwinglich. Denn wir finden, Kunst sollte nicht nur Menschen mit hohem Einkommen offenstehen.
Die Vorlagen stammen aus Bibliotheken, Museen, Online-Sammlungen, Privatsammlungen und von Märkten. Jedes Bild scannen wir in sehr hoher Auflösung. Dann beginnt die eigentliche Arbeit: In stundenlanger Handarbeit entfernen wir Schäden, frischen die Farben auf und lassen das Motiv wieder aufleben, ohne jemals seine Gestaltung zu verändern. Jede Reproduktion bleibt dem Original so nah wie irgend möglich.
Wir haben gelernt, dass die Druckqualität vor allem vom Papier abhängt. Wir wechselten es mehrmals, bevor wir das richtige fanden: ein mattes Fine-Art-Papier in Museumsqualität. Mehr als einmal überlegten wir, auf größere Drucker für eine schnelle Massenproduktion umzusteigen. Das hätte Zeit und Geld gespart. Doch mit solchen Maschinen hätten wir auf die Kombination aus unserem alterungsbeständigen Mattpapier und besonders farbkräftigen Pigmenttinten verzichten müssen. Also blieben wir bei unseren eigenen Druckern. Jedes Poster drucken wir in unserer Werkstatt in Barcelona selbst, auf Papier mit 230 g/m² und mit alterungsbeständigen Pigmenttinten.

Außerdem fertigen wir unsere Rahmen selbst: aus Aluminium, Kiefernholz oder als Magnetrahmen aus Holz. Bestellen Sie einen Rahmen zu einem Poster, rahmen wir es kostenlos ein. Wir verpacken ohne Plastik und versenden in ganz Europa.
Es war ein verrücktes Abenteuer, und es ist erst der Anfang. Auch nach all den Jahren sind wir noch so begeistert wie am ersten Tag. Und es kommt noch mehr. Bald kündigen wir etwas Neues an: ein ganz anderes Produkt, das weiterhin mit Kunst, Postern und Dekoration zu tun hat, mit dem aber niemand rechnet. Mehr können wir noch nicht verraten. Was wir sagen können: Unsere Einladung ist dieselbe geblieben. Stöbern Sie in Ruhe durch unsere Auswahl und finden Sie das Bild, mit dem Sie leben möchten.
Unsere Posterauswahl
- Ein Poster für die Punch Boutique aus dem Jahr 1950 mit einer Frau und einem Zebra zeigt den Witz der 1950er-Jahre von seiner besten Seite.
- Die 1870 gezeichnete botanische Studie der Arabica-Kaffeepflanze restaurieren wir sorgfältig, damit auch im Druck jede feine Linie erhalten bleibt.
Schon gewusst?
- Jeder Rahmen aus unserer Rahmenkollektion hat eine Verglasung aus Methacrylat. Das Material ist leichter und robuster als Glas und geht beim Versand nicht zu Bruch.
- Der Laden in der LX Factory in Lissabon befindet sich im ersten Stock der Buchhandlung Ler Devagar. Alle Adressen finden Sie in unserer Filialübersicht.
- Bei den Magnetrahmen aus Holz können Sie zwischen heller Kiefer, heller Eiche, dunkler Eiche und schwarzer Kiefer wählen.
- Unsere Rahmen lassen sich leicht zusammenbauen. Die Aufbauanleitung führt Sie Schritt für Schritt durch die Montage.
- Jeden Tag kaufen in unseren Läden Menschen aller Altersgruppen, aller Geschlechter und jeder Herkunft Poster.
Häufige Fragen
Woher kommt der Name MORYARTY? Wir wollten einen kurzen, einprägsamen Namen. Er lässt sich als „More Art“ oder „More Arty“ lesen. Bald fiel uns dazu der Slogan „MORYARTY, Art and More“ ein. Das y in der Mitte unterscheidet unseren Namen von Moriarty, dem Bösewicht aus den Sherlock-Holmes-Geschichten. Der Anklang gefällt uns trotzdem.
Wo gibt es MORYARTY-Läden? Zwei befinden sich in Barcelona, in El Born und Poblenou, und drei in Lissabon: Chiado, LX Factory und Trindade. Alle Adressen finden Sie in unserer Filialübersicht. Dort sehen Sie auch, welcher Laden Ihnen am nächsten ist.
Versendet MORYARTY in ganz Europa? Ja. Wir fertigen Bestellungen innerhalb von 24 bis 48 Stunden an. Die Lieferung dauert je nach Zielort zwei bis vier Tage. Jede Bestellung verlässt unsere Werkstatt in Barcelona in einer plastikfreien Verpackung.
Sind die Poster von MORYARTY Vintage-Originale? Unsere Poster sind Fine-Art-Reproduktionen von Vintage-Bildern. Wir restaurieren die Vorlagen von Hand und drucken sie in unserer Werkstatt in Barcelona auf mattem Papier mit 230 g/m² und alterungsbeständigen Pigmenttinten. Dabei halten wir die Gestaltung und die Farben so nah am Original, wie wir können.
Wie viele Poster hat MORYARTY? Mehr als zweitausend. Sie werden auch in über zehn Designgeschäften, Buchhandlungen und Concept Stores in ganz Europa verkauft. Vielleicht sind Sie uns also schon begegnet, ohne es zu wissen.
Warum Vintage-Poster? Poster wurden entworfen, um von der anderen Straßenseite oder vom anderen Ende eines Raums aus ins Auge zu fallen. An der Wand tun sie das bis heute.
Über den Autor
Wir sind das Team hinter MORYARTY, einem europäischen Unternehmen mit fünf Läden in Barcelona und Lissabon. Jedes Poster restaurieren wir von Hand, bevor wir es in unserer Werkstatt in Barcelona selbst drucken. Unsere Sammlung umfasst mehr als 2.000 Vintage-Poster. Am Anfang waren wir Sammler, die gute Bilder an ihren eigenen Wänden sehen wollten. Dieser Wunsch bestimmt bis heute, welche Motive wir in die Sammlung aufnehmen und wie wir über sie sprechen.



