Über den Künstler
In dieser Veröffentlichung des Unternehmens E.B. & E.C. Kellogg aus Hartford wird ein Herz zu einem Land, das erkundet werden will. Hinter den Initialen stehen Edmund Burke und Elijah Chapman Kellogg, zwei Brüder, deren lithografischer Betrieb in Connecticut Bilder für einen wachsenden Markt jenseits des traditionellen Kunstpublikums herstellte. Zum Sortiment gehörten Karten und populäre Motive für den täglichen Gebrauch, die sich an ein breites Publikum richteten. Dieser kommerzielle Hintergrund trägt zum Reiz der allegorischen Herzkarte von 1846 bei: Sie verbindet Lesen und Betrachten und verwandelt ein vertrautes Symbol in einen Vintage-Druck, dessen zahlreiche Einzelheiten sich erst bei genauerem Hinsehen erschließen.
Das Kunstwerk
Was wäre, wenn man bei der Werbung um eine Frau eine Karte statt einer Liebeserklärung benötigte? Das erfundene Land folgt diesem Gedanken, indem es Gefühle als Gelände darstellt, das Reisende betreten, missverstehen oder nur unter gewissen Gefahren durchqueren können. Der Untertitel kündigt innere Verkehrswege, Einrichtungen und Gefahren an und überträgt damit die nüchterne Sprache eines Reiseführers auf eine ausgesprochen unberechenbare Reise. Die 1846 veröffentlichte Karte entwirft eine satirische Vorstellung von Weiblichkeit, keine allgemeingültige Darstellung menschlicher Gefühle. Heute bietet dieser antike allegorische Kartendruck romantischen Witz und zugleich Anlass, die zeitgebundenen Geschlechterbilder hinter der Pointe kritisch zu betrachten.
Stil und Merkmale
Zuerst fällt das große rosafarbene Gebiet auf der rechten Seite ins Auge, dessen dunkle Beschriftung die Liebe zur Kleidung bezeichnet. Grüne Passagen verengen sich zwischen gelben Flächen, während sich kühle blaue Bereiche an den oberen Rundungen sammeln. Die winzigen Ortsnamen lassen sich erst aus der Nähe entziffern. Feine Wege überschreiten Grenzen und führen durch einzelne Bezirke, sodass der Blick über die gesamte Komposition wandert. Unterhalb der Herzspitze erstreckt sich eine ornamentale Titelschrift auf warmem beigefarbenem Grund. Ein schmaler rechteckiger Rand trennt die Darstellung von der freien Fläche ringsum. Auf diesem vertikalen Poster bleibt über dem kunstvoll gesetzten Titel genügend Raum für die kleinteilige Karte.
In der Raumgestaltung
Über einem kleinen Schreibtisch aus Walnussholz lässt sich die antike Herzkarte aus kurzer Entfernung gut lesen, besonders wenn seitliches Tageslicht auf das Papier fällt, ohne es direkt zu beleuchten. Ein schmaler schwarzer Rahmen nimmt die gezeichnete Umrandung auf, während das verblasste Rosa mit einer neutralen Wand harmoniert. Wenige Gegenstände genügen: Ein Notizbuch unter dem Kunstdruck erinnert an Briefe und persönliche Aufzeichnungen. Vom Stuhl aus lassen sich die winzigen Wege durch die Bezirke verfolgen. So bleibt die historische Wandkunst nicht auf ihre dekorative Wirkung beschränkt, sondern wird zu einer Karte, die bei jeder Betrachtung neue Einzelheiten erkennen lässt und Fragen über ihre Entstehungszeit aufwirft.
